Nina Sahm – Das Alphabet meiner Familie

Hallo ihr Lieben, 

ein neuer Tag, ein neues Buch oder aber – wie hier – eine neue Rezension für euch! Ich trotze derzeit dem regnerischen Wetter und werde mir auch gleich noch einen Tee gönnen, bevor ich mich an die Büroarbeit mache, aber zunächst mal das Vergnügen…

Nina Sahm

mit ihrem Roman

Das Alphabet meiner Familie

Das alphabet meiner familie nina sahm

(Cover und Rezensionsexemplar mit besten Dank an Droemer Knaur Verlag!)

Infos zum Buch:

Taschenbuch: 288 Seiten
Verlag: Droemer TB; Auflage: Originalausgabe (2. Oktober 2017)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3426306239
ISBN-13: 978-3426306239
Größe und/oder Gewicht: 13,7 x 2,7 x 21,1 cm
Preis: 14,99 € (Broschiert) / 12,99 € (eBook)

 

Zum Inhalt

Eines Tages steht er vor Ellas Tür: Frieder, ein völlig Fremder, der sie jedoch vom ersten Augenblick an fasziniert – nicht nur weil er ein Foto ihrer Mutter Rike bei sich hat. Wer aber ist er? Ella kann sich nicht an ihn erinnern, lauscht jedoch wie gebannt seinen Geschichten: von seinem Vater Viktor, den er kaum kennt, von dessen Faszination für die Zucht einer ganz besonderen Zwiebel, die man essen kann wie einen Apfel. Von der Trennung seiner Eltern kurz nach seiner Geburt. Und von jenem kleinen Dorf am Bodensee, das er und seine Mutter auf der Suche nach einem neuen Zuhause bald hinter sich ließen.
Ella gerät immer mehr in den Sog von Frieders spannender Familiengeschichte die von der Suche nach Identität und den eigenen Wurzeln erzählt – etwas, was sie nie gekannt hat. Allmählich wird ihr bewusst, was Frieders Geschichte mit ihrer eigenen zu tun hat …

 

Über die Autorin:

Nina Sahm wurde 1980 in Heilbronn geboren. Sie studierte Theaterwissenschaft, Germanistik und Anglistik in Leipzig und Budapest und arbeitete als Dramaturgin an Stadttheatern. Ihr Debütroman „Das letzte Polaroid“ erschien 2014 bei Blumenbar. Sie veröffentlichte Kurzgeschichten und Essays in Magazinen und Anthologien. 2012 erhielt sie ein Werkstattstipendium der Jürgen-Ponto-Stiftung, 2014 ein Arbeitsstipendium der Kunststiftung des Landes Sachsen-Anhalt und der Kloster Bergische Stiftung. Sie hat außerdem die Kinderbuchserie „Peter Hase“ von Beatrix Potter ins Deutsche übersetzt. Nina Sahm lebt als Autorin und Texterin in München

Mehr über die Autorin erfahrt ihr auf ihrer Homepage.

 

Mein Fazit und meine Rezension

Wer bin ich und wo komme ich her? Wer ist eigentlich meine Familie? Diese und viele weitere Fragen stellt sich Ella, die Protagonistin des Romans, nachdem sie wieder einmal ihr Leben umgekrempelt hat und ihren langjährigen Freund verlassen hat. Die Trennung war nicht sonderlich schön und irgendwie will sie es noch nicht so ganz wahrhaben, obwohl sie den Schritt nicht bereut. Nur ihrer Umwelt will und kann sie so einfach nicht entgegentreten, verschweigt ihrer Mutter, dass sie getrennt ist und zieht sich auch vor ihren Freunden zurück. Doch eines Tages ist das Einsiedlerleben von Ella vorbei, als mit einem Mal ein Fremder vor ihrer Tür steht und ihr ein altes Foto von ihrer Mutter aus deren Jugendjahren unter die Nase hält.
Für Ella tut sich ein großes Rätsel auf, weiß sie doch nichts von ihrer Mutter in diesen Jahren und kennt noch nicht einmal ihren Vater – was also soll ihr der Fremde namens Frieder schon erzählen können? Ehe sie sich versieht, findet sie sich mitten in der Erzählung von Frieders Lebensgeschichte wieder und entdeckt, dass die beiden doch viel mehr gemeinsam haben als eine seltsame Kindheit – nämlich Zwiebeln! 

Ella hat sich vollends zurückgezogen. Dass sie ihren langjährigen Freund verlassen hat, war für sie kein Problem, sie hat sich schon länger nicht mehr wohl gefühlt und man hatte sich auch regelrecht auseinander gelebt. Vielleicht war die Beziehung im Laufe der Jahre auch eher zu einer Zweckbeziehung verkommen, anstatt eine Liebesbeziehung zu bleiben. Doch für Ella ist das kein Problem – sagt sie zumindest und zieht sich doch in ihr Schneckenhaus zurück. Einzig und allein ihr Hund hindert sie daran, tage- und nächtelang in ihrem Bett und in ihrer Wohnung zu verbringen. Ja, auch Ella hat an dem Ende der Beziehung zu knabbern – das wird uns Leser nach einigen Seiten bewusst. Wem aber geht das schon nicht so? 

Als dann auch noch ein Fremder vor ihrer Tür steht und ein altes Foto ihrer Mutter in deren Jugendjahren unter die Nase hält, versteht Ella die Welt nicht mehr: ihre Mutter war schon immer eine komplizierte, aber auch verschlossene Person und über ihre Vergangenheit möchte sie schon gar nicht reden. Für ihre Tochter will sei nur das Beste und das ist nunmal die Beziehung mit Ansgar – der ja jetzt weg ist! Nur weiß ihre Mutter nichts davon. Recht früh merkt man, dass die Beziehung zwischen Mutter und Tochter nicht einer Beziehung gleicht, die man heutzutage als „normal“ bezeichnen würde. Aber was bitteschön ist schon normal? 

Zumindest nicht der Fremde, der sich mit dem Namen Frieder vorstellt und nicht nur ein rotes Notizbuch – gespickt mit Geschichten aus der Vergangenheit und seinen Recherchen – im Gepäck hat, sondern viele Geschichten über Zwiebeln, einem Gemüse, das er absolut nicht ausstehen kann und mit dem er doch so viel verbindet. 

Zunächst mag man meinen, dass auch diese Beziehung der beiden Protagonisten Ella und Frieder ziemlich seltsam ist – immerhin lässt Ella ihn direkt in ihr Leben und weiß auch nicht so recht, was sie mit ihm anfangen soll, doch merkt sie, dass er die Geheimnisse kennt, die ihr ihre Mutter schon so lange verschweigt. 

Wäre ich in der Situation von Ella gewesen, so wäre das Buch wohl direkt nach den ersten Kapiteln zu Ende gewesen – denn Frieder hätte ich weder in mein Leben noch in meine Wohnung gelassen. Alleine seine Art und Weise wie er spricht, sich verhält und auch gegenüber Ella auftritt, finde ich sehr merkwürdig. Doch je mehr man über den jungen Frieder und dessen Kindheit erfährt, desto eher versteht man ihn. 

Zu Beginn der Geschichte hat mich die Neugier am Lesen gehalten: was hat es mit Frieder auf sich? Warum lässt Ella ihn immer wieder in seine Wohnung und woher soll er schon diese für sie wertvollen Informationen haben? Fragen über Fragen, die sich auftun! Nach einiger Zeit jedoch zog sich das Ganze auch für mich in die Länge und – obwohl es sich hierbei um einen Roman von nur 288 Seiten handelt – später musste ich mich doch zum Weiterlesen zwingen. Die Spannung war zwar da, aber alles war einfach so verworren, dass man weder einen roten Faden sehen, noch als Leser einen Durchblick behalten konnte. Erst am Ende entwirrt sich alles und löst sich auf. 

Nina Sahm hat mit diesem Roman eine Geschichte einer Familie erzählt, die verworrener nicht sein kann und doch aus dem wahren Leben kommen könnte – warum auch nicht? Ihre Charaktere Ella und Frieder sind so gar nicht, wie all die Charaktere, die man aus anderen Romanen kennt, beide treibt ein Geheimnis und eine tiefe Unruhe mit sich herum und so ganz zufrieden sind sie nicht und doch leben sie ihre Leben einfach so für sich hin. 

Mit dieser Geschichte hat man keinen weiteren Familienroman mit Dramen gespickt und Liebesgeschichten, sondern einen Roman, der Geschichten aus dem wahren Leben erzählt. Er mag verworren und seltsam erscheinen, hat aber durchaus Unterhaltungscharakter. Weiterempfehlen kann man ihn als Lektüre – nicht für zwischendurch, man braucht schon etwas länger – zum Zeitvertreib, aber ich weiß, dass ich sie nicht noch einmal lesen werde. 

Meine Bewertung: 3 von 5 Punkten

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