Autorentag mit Marco Martinez – Die Wohnung

Guten Morgen ihr Lieben!

Und herzlich Willkommen zum Autorentag mit Marco Martinez und seinem Debütroman "Die Wohnung"!

Im Laufe des Tages werdet ihr viele verschiedene Posts von mir hier und auch auf meiner Facebookseite finden, die euch den Autor und sein Erstlingswerk besser vorstellen. 

Zunächst aber mal zum Autor selbst … 

Wer steckt hinter dem Werk?

Marco Martinez

blog-a-holic: Hallo Marco, zunächst einmal möchte ich mich dafür bedanken, dass ich eine der Leserinnen sein durfte, die deinen Debütroman "Die Wohnung" lesen und auch rezensieren durfte! Ich freue mich schon sehr auf den Autorentag und hoffe auch, dass ich viele neugierige Leser anlocken kann 😉 Doch hier beginnt auch schon die erste Frage für mich: Thriller oder Horror – wie kommt es, dass du zum Horror-Genre abgebogen bist?

Marco Martinez:Na ja. Dazu musste ich mir erst die Frage stellen, wo hört Thriller auf und wo fängt Horror an. Allerdings war von vorne weg für mich klar, in Richtung Horror Genre zu schreiben, einfach weil sich hier für mich mehr Möglichkeiten bieten, mich, bzw. meine Protagonisten einer Entwicklungsphase zu unterziehen. Soll aber nicht heißen, dass ich mich auf nur ein Genre festlege. Dann würde ich mir ja Grenzen setzen.

blog-a-holic: Was fasziniert dich an dem Genre "Horror"?

Marco Martinez:Vor allem, das Düstere. Mir ging es nie darum, blutrünstige Szenen im Detail zu beschreiben um zu schockieren, sondern eher Menschen zu zeigen, dass die unterschiedlichsten Charaktere in Ausnahmesituationen wachsen, oder zerbrechen.

blog-a-holic: Na das hast du auf jeden Fall geschafft! Du hast einen einzigartigen Schreibstil, er ist leicht und flüssig, trotz dem grausigem Genre, das du gewählt hast. Wie konntest du dir während dem Schreiben diese Leichtigkeit bewahren?

Marco Martinez:Die "Leichtigkeit" im Schreibstil ist nur Tarnung. In Wirklichkeit vertusche ich auf diese Weise meine Unerfahrenheit als Autor. Dennoch war es schon bewusst gewählt. Dafür gibt's eine simple Erklärung. Ich wollte nicht jeden Umstand, jede Situation… was auch immer, in wundersame Umschreibungen verpacken. Ehrlich gesagt gelingt mir das auch nicht immer, selbst wenn ich es wollte. Aber kurz um, ein Ziel war, Dinge direkt beim Namen zu nennen. Die andere Seite der Medaille ist, dass besonders in den ersten Kapiteln, "DIE WOHNUNG" wie ein Aufsatz wirkt. Das weiß ich.

blog-a-holic: Das habe ich mir auch gedacht – insbesondere, als die Wohnung selbst auch so detailliert beschrieben wurde. Ab und an kam ich mir vor, als würde ich ein Maklerportfolio in der Hand halten 😉
Was mich als Leser an deinem Schreibstil fasziniert hat, ist die Tatsache, dass auch grausige und blutige Szenen von dir mit einer Nüchternheit vorgetragen wurden, die mich erschauerten und mir einen eiskalten Schauer über den Rücken laufen ließen. Wie hast du es geschafft, dieses Element mit in deine Geschichte / deinen Schreibstil einzuflechten?

Marco Martinez:Nun, das ist nicht so leicht zu erklären. Gleichzeitig brauch ich ja eine rege Fantasie, wie den nötigen Abstand. Es ist ein zweischneidiges Schwert. Sich in die Tiefen der menschlichen Abgründe zu wagen, erfordert eine bestimmte Nüchternheit meiner Meinung nach. Diese Nüchternheit findet sich deshalb wiederum in meinem, wie soll ich sagen, abgeklärten, bodenständigen, aber auch naiven Schreibstil, wie ich ihn nenne.

blog-a-holic: Bodenständig trifft es genau. Du selbst sagst: "Für mich als Horror und Thriller Liebhaber mache ich es mir zur Aufgabe, die Signifikanz des psychologischen Faktors, bzw. den seelischen Zustand der Protagonisten herauszuarbeiten." Wie gelingt dir das und kannst du dich, nachdem du dich so intensiv mit deinen Protagonisten und der Geschichte beschäftigt hast, wieder davon lösen? Hast du hierfür vielleicht einen Trick?

Marco Martinez: Es gibt keinen Trick. Teilweise handelt es sich bei den Protagonisten um mich Selbst. Bestimmte Charakterzüge. Meine Grundidee im Hinterkopf war ja immer, wie würde Ich mich, bzw. meine Protagonisten, die sich im Laufe der Geschichte weiter entwickelten, in dieser sehr speziellen Situation verhalten? Außerdem würde ich mich gar nicht von der Geschichte oder den Protagonisten lösen wollen. Es ist jetzt ein Bestandteil von mir. war es schon bevor ich mit dem Schreiben begonnen hab.

blog-a-holic: Dann hoffe ich, dass du keine Albträume davon trägst.
Wenn ich bei deinen Lieblings-Genre Horror und Thriller bleibe: was benötigst du zum Schreiben? Suchst du dir einen Ort mit einer passenden Atmosphäre aus? (also gerne auch nachts?)

Marco Martinez: Nein. Eigentlich nicht. Ich denke so wie sich die Geschichte im Großen und Ganzen selbst entwickelt hat, galt das auch für die Atmosphäre. Aber viel war von meiner Tagesverfassung abhängig. Ob Tag oder Nacht, spielte da keine Rolle.

blog-a-holic: Wie sah die Recherche zu deinem Buch aus? Hast du selbst zu oder vielleicht sogar weiteren Autoren aus dem Genre Kontakt aufgenommen oder gab es den ein oder anderen Film als Vorreiter bzw. Inspiration?

Marco Martinez: Recherche war nie nötig. Andere Autoren hab ich bewusst nie nach Rat gefragt. Geschweige denn, dass ich es ebenso bewusst vermieden habe, andere Romane aus dem Genre zu lesen. Ich lese überhaupt sehr wenig bis gar nicht wenn ich ehrlich bin. Auch das hat einen Grund. Ich möchte nicht und wollte nie von anderen Autoren beeinflusst werden. Speziell was den Schreibstil betrifft. Ich möchte nicht unbewusst von anderen abkupfern, oder einen Stil übernehmen. Und am aller wenigsten "klauen". Es ist ungeheuer wichtig, das ich einen eigenen Schreibstil entwickle, ihn verbessere und verfeinere um Gefühle noch intensiver umschreiben zu können.

blog-a-holic: Das ist interessant – ein Autor, der selbst fast gar nicht liest 🙂
Und nun natürlich die alles entscheidende Frage: woher nimmst du deine Ideen? Oder aber wieso reizt es dich, über diese Themen zu schreiben?

Marco Martinez: Im Grunde überleg ich mir zuerst die Quintessenz. Welche Aussage soll es im Wesentlichen haben? Welche Botschaft möchte ich eigentlich vermitteln? Für mich ist der Zeitpunkt am Wichtigsten. Da ich kein Vollzeit Autor bin, muss ich versuchen dann zu schreiben, wenn ich kann und wenn es nur auf ein Stück Papier ist, um eine Idee festzuhalten.

blog-a-holic: Einen Roman zu verfassen braucht bekanntlich seine Zeit, zumindest gehe ich nicht davon aus, dass du dein Debüt innerhalb weniger Wochen "runter schreiben" konntest. Gab es auch für dich Phasen, in denen du gesagt hast "Nein, ich kann jetzt nicht mehr" und einfach Abstand brauchtest? Insbesondere von dem Thema?

Marco Martinez: Oje. Wenn ich daran denke wie lange ich an der Geschichte saß… Ich würde heute noch daran rumwerkeln, wenn ich nicht mal entschieden hätte,… So, jetzt ist Schluss. Wie gesagt, ich bin kein Vollzeit Autor und gehe ganz gewöhnlich einem, ich sage mal, anderem regulärem Beruf nach. Allzu oft war es zwangsläufig der Fall, das ich Abstand nehmen musste, aber nicht weil ich es wollte. Abends, wenn ich nach Hause kam, fehlte mir meistens die Energie, stundenlang vor dem PC zu sitzen und zu schreiben. Meistens auch wenn es klappte, kam dann nichts Gescheites bei raus. Vom Thema selbst brauchte ich nie Abstand. Wie soll man auch sonst mit einer Geschichte Eins werden?

blog-a-holic: Wie gehst du selbst mit den Themen in deinen Büchern um? Blickst du eher aus einer objektiven Sicht darauf und bist ein nüchterner Erzähler oder fühlst du mit deinen Charakteren mit und bist emotional involviert?

Marco Martinez:Emotional involviert? Aber sowas von! Es fiel mir nie schwer, mich in andere Personen hinein zu versetzen. Ich denke, ich bin bestimmt ein Stück weit emphatisch veranlagt. Ironischer Weise, aber auch das fiel mir nicht unbedingt schwer, musste ich mich genauso in meine Protagonisten hinein versetzen, wobei es sich eigentlich um niemand anderen als mich selbst handelt. Jedenfalls bei den meisten Charakterzügen.

blog-a-holic: Da könnte ich jetzt Angst bekommen, wenn ich an einige für mich sehr verstörende Szenen zurück denke …
Hast du vielleicht für dich selbst eine Art "Mauer" entwickelt, die dich während der Recherche- und Schreibzeit vor diesen Emotionen schützt?

Marco Martinez: Nein. Keine Mauern.  Ich denke, jeder der in der Lage ist, sich in seine Protagonisten, sich in seine Geschichte so tief hinein zu versetzen, wie auch ich es tat, weiß natürlich auch, dass es einerseits unumgänglich ist voll und ganz einzutauchen, um einen gewissen Tiefgang zu erreichen. Mauern sind da nur im Weg. Aber, ja… es kann natürlich auch passieren, dass man nicht wieder so schnell zurück in die Realität findet. Dazu gehört aber nicht mehr als Willensstärke, um Fantasie und Wirklichkeit voneinander zu trennen. Doch ich gestehe, am Anfang war "DIE WOHNUNG" eine Art Bewältigungstherapie. Irgendwann wurde es mehr und mehr und zum Schluss hatte ich einen Roman in den Händen. Ich wusste nicht was ich damit anfangen sollte. Dann wurde ich auf die Self Publishing Verlage aufmerksam und dachte, wenn ich schon einen Roman geschrieben habe, dann sollte man ihn auch lesen können. Ich glaube, erst dann hab ich angefangen eine Schutzmauer aufzubauen, weil ich nur mit Kritik umgehen kann, sofern sie konstruktiv ist. Vielen Dank für die tollen Interview Fragen.

Lieber Marco, vielen Dank für deine tollen Antworten und dass ich dich etwas löchern durfte ;) 

Liebe Grüße,
eure Nina ♥