Friedrich Kalpenstein – Sie haben ihr Ziel erreicht

Guten Abend ihr Lieben, 

frisch aus Heidelberg zurück möchte ich euch noch ein Buch vorstellen, welches ich kurz vorher beendet habe und ein Buch, das unbedingt in euer Reisegepäck muss, wenn es ab in den Urlaub geht! 

Von dem Autor habt ihr auf meinem Blog schon mehr gelesen, was einfach daran liegt, dass ich seinen Schreibstil einfach fantastisch finde und seine Geschichten meine Lachmuskeln immer wieder aufs Neue reizen. 

Es handelt sich um

Friedrich Kalpenstein 

mit seinem Roman

Sie haben ihr Ziel erreicht

Sie haben ihr ziel erreicht Friedrich Kalpenstein

(Cover und Rezensionsexemplar mit besten Dank an Friedrich Kalpenstein!)

Zum Inhalt:

Justus, Erwin und Willi sind seit der Schulzeit Freunde. Gemeinsam begeben sich die drei Männer in den besten Jahren auf eine längst überfällige Reise in ein Wellnesshotel in Niederbayern. So war es zumindest geplant. Durch ein Missgeschick landen die Herren in einer Kuranstalt ein paar Ortschaften weiter. Notgedrungen lassen sie sich auf das Abenteuer ein. In erster Linie wollten die Freunde schließlich die Seele baumeln lassen. Doch die Woche entwickelt sich anders als gedacht und birgt einige Überraschungen. Willi hält den Hausmeister auf Trab. Erwin entdeckt verloren geglaubte detektivische Fähigkeiten, und Justus bleibt nichts anderes übrig, als sich seinen ganz persönlichen Problemen zu stellen.

Anstelle von Wellness finden die Freunde hier etwas viel Wichtigeres. Der vermeintlich falsche Ort entpuppt sich als ganz genau richtig.

 

Über den Autor:

Friedrich Kalpenstein wurde 1971 in Freising bei München geboren und lebt heute in der Nähe von Freising im Ampertal.

Im Jahr 2012 veröffentlichte er sein erstes Kinderbuch mit sieben Kurzgeschichten als E-Book. Weitere Kinderbücher folgten.

Als Renner entpuppten sich Kalpensteins humorvolle Romane für Erwachsene. Darin erzählt er vom ganz normalen Wahnsinn des Alltags – die besten Geschichten schreibt immer noch das Leben selbst. Der erste Roman der erfolgreichen Herbert-Serie, »Ich bin Single, Kalimera«, erschien 2013 als E-Book im Selbstverlag und wurde im März 2015 von Amazon Publishing in einer neuen Version aufgelegt. Weiter unterhielt Kalpenstein seine Leser mit »Wie Champagner«, »Männerferien«, »Alpengriller« und »Das Leben ist kein Zweizeiler«.

Mehr über Friedrich Kalpenstein und seine Romane erfahrt ihr auf der Homepage oder auf seiner Facebookseite.

 

Mein Fazit und meine Rezension:

Justus, Erwin und Willi kennen sich seit Kindesbeinen an und sind seit jeher beste Freunde. Doch irgendwann haben die drei älteren Herren den Alltag satt – was also tun? Mit Justus‘ 60. Geburtstag, der kurz bevorsteht, haben die drei Herren einen Anlass gefunden, um aus dem Alltag kurzzeitig auszubrechen: Bad Penzing in Niederbayern ist das Ziel, eine Woche Wellnessurlaub im Ammersteiner Hof, einem Hotel, das keinerlei Wünsche offen lässt. Genau das richtige Ziel für die Drei. Doch leider unterläuft Erwin bei der Buchung ein Fehler und anstelle eines gebührenden Empfangs im Ammersteiner Hof, werden die Herren von der Rezeptionistin auf den fatalen Fehler hingewiesen: gebucht wurden drei Einzelzimmer im Kurhotel Erika, weit weg von Wellnessanwendungen, aber mit viel Charme und auf die Gesundheit der Herren bedacht. Was zu Beginn der Reise wie das Ende eines traumhaften Wellnessurlaubes aussieht, entpuppt sich jedoch als schicksalhaft. Denn Justus, Erwin und Willi sind genau zur richtigen Zeit am richtigen Ort … nur muss ihnen das erst noch bewusst werden.

Erwin hat sich seit dem Unfalltod seiner geliebten Frau zurückgezogen. Er lebt sein Leben, jedoch abgeschirmt von der Gesellschaft und vor allen Dingen von seinen Freunden. Um ihn eben aus dieser Tristesse zu befreien, wird er von seinen besten Freunden aus der Kindheit, Willi und Justus, dazu animiert, an einem gemeinsamen Urlaub teilzunehmen. Dabei fällt Erwin das Privileg zu, den Wellnessurlaub zu buchen, nur leider will es nicht so ganz klappen wie erhofft … 

Justus ist ein erfolgreicher Immobilienmakler. Ihm gehen die Aufträge niemals aus und das Geld auch nicht, deswegen soll sein 60. Geburtstag auch gebührend gefeiert werden – der Ammersteiner Hof ist dafür genau die richtige Adresse. Doch die Sterne stehen für Justus in Sachen Finanzen nicht so gut wie gedacht – aber wie soll er das seinen beiden besten Freunden beibringen? Gar nicht. Denn auf Justus ist bislang immer Verlass gewesen, die Beiden haben immer zu ihm aufgeschaut. Und diese kleine Krise wird er auch noch überstehen und feiern kann man schließlich überall – auch in einem Kurhotel mit Namen Erika.

Bleibt nur noch Willi, der dritte im Bunde, seit einigen Jahren in Rente und trotzdem mit Leib und Seele Handwerker. Am liebsten würde er wieder zurück in sein altes Leben. Wo auch immer Willi auftaucht, sämtliche Gerätschaften und Installationen werden von ihm auf Herz und Nieren überprüft – dabei fällt ihm natürlich auf, dass gerade im Kurhotel Erika der Hausmeisterservice sehr zu Wünschen übrig lässt. Kein Problem für Willi, denn der hat immer das passende Werkzeug zur Stelle – sehr zum Leidwesen von seinen Freunden und auch dem Hausmeister des Kurhotels Erika. Nur wir Leser kommen dabei voll und ganz auf unsere Kosten 😉 (und können uns glücklich schätzen, dass er nicht bei uns Zuhause ist!)

Wie ihr seht, haben wir mit den drei Herrschaften eine bunte Mischung an Charakteren, die alle ihre Fehler, Probleme und auch kleinen Wehwehchen aufweisen. Schon allein hier ist Spaß, aber auch das ein oder andere Fettnäpfchen, vorprogrammiert! Und bereits zu Beginn der Geschichte konnte ich die Lachmuskeln bereits aufwärmen: wer schafft es schon, mit einem in niederländischer Sprache eingestellten Navigationssystem zum Urlaubsort zu fahren, obwohl man kein Niederländisch spricht?! Zumal sich der Zielort nicht als Urlaub, sondern Kurlaub entpuppt?! Mein Niederländisch ist – gelinde gesagt – nicht gut … okay, ich gebe es zu, es ist überhaupt nicht vorhanden und genau deswegen konnte ich mich selbst in den lebhaften Diskussionen der Charaktere während der Autofahrt wiederfinden. Mir wäre es genauso gegangen! 

Angekommen im Kurhotel Erika, geht es den drei Herren jedoch nicht in erster Linie um Urlaub und Wellness, sondern auch darum, die Freundschaft zu pflegen, die selbst auch schon in die Jahre gekommen ist. Dabei lernt man jeden der drei Charaktere aus unterschiedlichen Blickwinkeln kennen, sodass man sich als Leser sehr leicht einen Überblick über deren Auftreten in der Öffentlichkeit, aber auch über deren Gefühlswelt verschaffen kann. So findet man nicht überall Freude, sondern stößt auch bei jedem einzelnen auf Kummer und Probleme. Wie soll man auch den besten Freunden beibringen, dass man Pleite ist? Oder wie soll man von dem geliebten Beruf Abstand nehmen, wenn man doch mit Herz und Seele daran hängt? Zumal alle anderen es einfach falsch machen. Und: wie soll man seinen Lebensabend nur alleine verbringen, wenn er mit der geliebten Ehefrau doch viel schöner gewesen wäre? 

Jedes der drei Schicksale hat mich auf eine andere Art und Weise berührt und – auch im Nachhinein gesehen – tief getroffen. Das Leben bringt nun mal Veränderungen mit sich, die nicht einfach mit Geld beiseite zu schaffen sind (insbesondere nicht, wenn keines mehr vorhanden ist). Liebe kann man sich nicht erkaufen, die verstorbene Ehefrau kann man nicht mehr zum Leben erwecken und die gemeinsame Zeit wieder aufleben lassen und auch die Lebenszeit lässt sich nicht auf den Tag zurückdrehen, als man noch ein junger Bursche war und man voll und ganz in seinem Beruf (seiner Berufung!) aufgehen konnte. Eine Zeitmaschine ist mir zumindest noch nicht untergekommen.

Mich hat die Geschichte nicht nur unterhalten – ich glaube, mein nächster Urlaub wird ebenfalls ein Kurlaub! –  sondern auch zum Nachdenken angeregt. Ja, wir sollten glücklich und zufrieden sein mit dem, was wir haben, denn irgendwann ist es zu spät und in dem Moment bleibt uns nichts anderes mehr übrig, als auf das Leben zurück zu blicken und sich zu fragen, was man überhaupt daraus gemacht hat. 

Mit diesem Roman hat Friedrich Kalpenstein nicht nur gezeigt, dass er seinen Humor auch bei den älteren Semestern anbringen kann (und trotz allem alle Altersschichten von Lesern damit überzeugt und anspricht), sondern auch, dass das Leben nicht immer so ist, wie es zu sein scheint. Mir persönlich hat er einen kleinen Tritt verpasst, um mich daran zu erinnern, dass ich mein Leben jetzt lebe und nicht irgendwann darauf zurück blicke und das bereue, was ich nicht getan habe. Alles in einem ist sein Roman aber nicht als wehmütige Geschichte zu sehen, sondern als humorvoller Roman, der dem Leser – gerade jetzt in der Urlaubszeit – köstlich unterhalten kann! 

In diesem Sinne: Sie haben ihr Ziel erreicht! 😀

Meine Bewertung: 5 von 5 Punkten 

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