Interview mit ~ Wolfgang Wiesmann ~

Guten Morgen ihr Lieben,

zwei Interviews habt ihr bereits von mir erhalten und heute möchte ich euch das nächste präsentieren 🙂

Dieses Mal geht es um

Wolfgang Wiesmann

der mich mit seinem Buch „Ich liebe Dich“ sehr berührt und zum Nachdenken angeregt hat.

Zu meiner Rezension des Buches gelangt ihr hier.

Aber nun möchte ich euch nicht länger warten lassen:

blog-a-holic: Lieber Wolfgang, ich möchte mich zunächst für deine Zeit bedanken und auch nochmal dafür, dass ich dein Buch lesen durfte! Ich hoffe es ist in Ordnung, wenn ich beim „Du“ bleibe?

Wolfgang Wiesmann: Klar, gerne.

blog-a-holic: Du hast mit deinem Buch ein sehr besonderes und auch sehr starkes Thema gewählt: die Liebe. Sie ist uns allen bekannt und jeden Tag begegnet sie uns in vielerlei Formen, auch wenn wir sie zunächst nicht wahrhaben wollen. Wie genau bist du dazu gekommen über dieses für jeden bedeutsame Thema zu schreiben? Was hat dich dazu inspiriert?

Wolfgang Wiesmann: Mir fielen zwei Magazine, ein philosophisches und ein psychologisches, in die Hände. Beide hatten als Titelthema die Liebe gewählt, aber in keinem fand ich einen Autor, der sich mit dem Wesen der Liebe auseinander gesetzt hatte. Alle sprachen über die Liebe, als wäre sie allen bekannt, aber genau das stimmt eben nicht. 100 Personen schreiben 100 Versionen zur Liebe auf, wenn sie danach gefragt werden. Da aber alle Menschen, egal woher und welchen kulturellen Hintergrund sie haben, sich verlieben können, muss es eine ganz bestimmt allgemeingültige Vorstellung von der Liebe geben. Diese zu finden, war das Ziel des Buches.

blog-a-holic: Dein Buch ist kein einfacher Roman, sondern ein Ratgeber. Dies machst du auch bereits zu Beginn deutlich, in dem du den Leser zu Folgendem aufforderst:

„Begeben Sie sich beim Lesen bitte in die Rolle des Liebesforschers, der offen ist für neue Ideen und sich inspirieren lassen möchte.“

Ich habe das Buch genau aus diesem Gesichtspunkt heraus gelesen und wahrgenommen. Mit dir bin ich als Liebesforscher unterwegs gewesen und habe mich Theorien, Fragen und Entdeckungen gestellt. Wie genau hast du dich in die Rolle des Liebesforschers hinein begeben?

Wolfgang Wiesmann: Ich forschte, ohne mich auf Sekundärliteratur und Sekundärquellen zu stützen. Es ging mir darum, keine wissenschaftliche Arbeit zu schreiben, von denen ich bereits drei während meiner Studienjahre geschrieben hatte. Spannend wird die Liebe, wenn du vor einem weißen Blatt Papier sitzt und möchtest allein aus deinen eigenen Vorstellungen heraus ein Buch über die Liebe schreiben. Du fragst dich, welchen Zugang du zum Thema hast und da kommen zwei Quellen zum Vorschein: a) die Gefühle und b)  Beziehungen. Auf diesen Gebieten ist jeder sein eigener Experte, aber es kam natürlich auch darauf an, alle Menschen anzusprechen. Darin liegt der semiwissenschaftliche Charakter des Buches.

blog-a-holic: Auf deiner Reise als Liebesforscher sind dir sicherlich nicht nur Skripte, Aufsätze und sonstige Literatur begegnet, sondern sicherlich auch Menschen, mit denen du gesprochen hast. Was war dein bedeutendster Moment?

Wolfgang Wiesmann: Ich war überwältigt von der Bestätigung meiner Vermutung, dass es die Liebe, so wie sie viele Menschen denken, nicht gibt, sondern die Liebe sich im Verlieben zeigt. Es gibt keine Liebe ohne Verlieben. Diese Aussage hat bedeutende Konsequenzen und stellt auch das allgemeine Denken vieler Experten und Ratgeber infrage.

blog-a-holic: In deinem Buch hast du die Liebe aus vielerlei Blickwinkeln beleuchtet und auch ab und an in Frage gestellt. Besonders gut kann ich mich an die Erforschung des Unterschieds oder aber der Gemeinsamkeit von „Liebe“ und „Verliebtheit“ erinnern. Wie hast du diese beiden erforschen können? Wo war der Anfang?

Wolfgang Wiesmann: Der Beweis für die Behauptung: Liebe ist Verlieben und Verlieben ist Liebe, liegt an der Gleichheit der Gefühle. Dazu habe ich ein Experiment beschrieben, das jeder nachvollziehen kann.

blog-a-holic: Weiterhin hast du in deinem Buch auch anschaulich nicht nur die Liebe als Emotion beschrieben, sondern die Liebe, die uns im Alltag begegnet, auch wenn wir sie nicht direkt wahrhaben wollen. Es gibt verschiedene Formen von Liebe, die du dem Leser im Laufe deines Buches bewusst machst. War dir von Anfang an klar, dass es diese Formen und Arten von Liebe gibt oder hast du im Laufe deiner Recherchen erst selbst auch für dich noch „neue“ Arten entdeckt? Wenn ja, welche waren das?

Wolfgang Wiesman: Es gibt nur eine Liebe, aber ihre Formen sind unterschiedlich. Liebe will Form, sucht Gestaltung. Daher ist Liebe auch der Ursprung der Natur. Das Verrückte, das Verliebte machen, ist ja nichts weiter als Formgebung auf fantasievolle Weise. Da entstehen Sachen, die nicht Liebende niemals hinkriegen. Liebe ist also enorm kreativ.

blog-a-holic: Welche war die für dich bedeutsamste Entdeckung im Zusammenhang mit dem Thema „Liebe“?

Wolfgang Wiesmann: Dass es die Liebe im Anschluss an das Verlieben nicht gibt. Das wird immer noch von vielen Experten propagiert, ist aber totaler Quatsch.

blog-a-holic: Ich habe dich bereits in einer Mail vorher gefragt, wie und wo dieses Buch entstanden ist, was deine Grundgedanken dabei waren. Möchtest du das vielleicht auch nochmal den Lesern meines Blogs verraten?

Wolfgang Wiesmann: Dadurch, dass ich mich zwang, alles aus dem kreativen Raum eigener Gedanken und Gefühle zu schöpfen und nicht an den Lippen von Experten zu kleben, verstärkte ich den Prozess des Selberfindens. Das ist eine tolle Sache. Du verlässt dich einfach auf deine eigenen Erkenntnisse und machst damit weiter, bis ein zuverlässiges Gerüst aufgebaut ist. Ich hatte den Vorteil, dass ich bereits einige Romane geschrieben hatte. Das half natürlich beim Schreiben.

blog-a-holic: Wenn man hört, jemand schreibt über das Thema „Liebe“ denkt man, dass es einfach sei. Die Liebe ist zwar vielschichtig, aber nicht wirklich unergründet. Doch genau das hast du mir mit deinem Buch gezeigt. Gab es für dich während der Recherchezeit auch Phasen, in denen du mal nicht weiter gekommen bist? An denen du vielleicht länger suchen und kombinieren musstest als bei anderen Themen?

Wolfgang Wiesmann: Die Recherche beschränkte sich auf wenige Teilgebiete, wie zum Beispiel die Emotionen. Der Begriff Emotion bereitete mir Schwierigkeiten, weil er nicht eindeutig definiert ist. Manche zählen die Liebe zu den Emotionen, manche nicht. Das ärgerte mich. Ich fand dann heraus, dass die Liebe selbstverständlich eine Emotion ist und zwar die einzige Ursprungsemotion, aus der alle anderen Emotionen entstanden sind. Außerdem fiel mir das Thema Liebe zu den Eltern nicht leicht.

blog-a-holic: Und nun, da ich gefragt habe, welches das schwierigste Thema war: was ist dir besonders leicht gefallen?

Wolfgang Wiesmann: Liebe zu Kindern viel mir leicht, da ich Vater von vier Kindern bin und selber über 10 Jahre Hausmann war.

blog-a-holic: Aber jetzt weg vom Buch, hin zu deiner Person: bitte stelle dich deinen Lesern einmal vor. Wer ist Wolfgang Wiesmann? Was sind deine Hobbies? Wo lebst du?

Wolfgang Wiesmann: Ich wollte nicht immer Gesamtschullehrer bleiben. Auswandern nach Irland war für mich die größte Herausforderung. Meine Frau war einverstanden, also ging es 2000 nach Irland los. Dort habe ich an verschiedenen Schulen unterrichtet, Taxi gefahren, ein Cottage renoviert, als Sozialarbeiter gearbeitet, ein Restaurant geleitet, Akupunktur studiert und schreibe seit Jahren Bücher, meistens Krimis, die derzeit bei Verlagen liegen, sofern sie nicht schon verlegt sind.

Die Liebe hat mich als Thema immer interessiert, deswegen findet man sie auch in den Krimis wieder und in anderen Buchtiteln. Wenn ich morgen möchte und das Wetter mitspielt, könnte ich zu den Aran Islands fahren und dort mit Dusty, einem Delphin, schwimmen gehen. Aber wahrscheinlich schreib ich wieder in meiner Blockhütte und überlege, wen ich als nächstes ermorden lasse.

blog-a-holic: Mit einem Delphin schwimmen gehen ist natürlich eine wunderbare Alternative 🙂 Aber Mordopfer auf literarischer Ebene würden mir auch noch einfallen 😉
Du hast schon mehrere Bücher geschrieben und auch veröffentlicht. Wie sieht bei dir der Schaffensprozess eines Buches aus? Ist es immer derselbe Weg / Aufbau oder hast du unterschiedliche Herangehensweisen?

Wolfgang Wiesmann: Immer gleich. Ein leeres Blatt Papier. Dann kommt der Titel oben drauf und eine Struktur von einer DIN A4 Seite, die vorläufige Namen enthält und in der ich die Kernstory festhalte, dann geht es mit dem Schreiben los. Jeden Tag sieben Stunden, sieben Tage die Woche. Nach drei Monaten sind 200 Seiten fertig. Dann brauch ich weitere Zeit, um das Buch etwa fünf bis acht mal zu lesen. Dann wird es für Wochen liegen gelassen und dann erneut mehrfach gelesen und korrigiert.

blog-a-holic: Das klingt nach einer Menge Arbeit, aber auch nach sehr viel Herzblut, das in jedem deiner Bücher steckt.
Der Weg von der Idee bis hin zum fertigen Buch: wie lange dauert es bei dir, bis ein Werk veröffentlicht wird? Welche Erfahrungen hast du bisher gemacht?

Wolfgang Wiesmann: Veröffentlichung ist ein grausames Thema. Da fällt man als Neuling meistens in ein tiefes depressives Loch. Du schreibst mit Herz und arbeitet hart, sechs Monate lang und niemand will es haben, nur Absagen. Spätestens beim dritten oder vierten Buch beginnen die Selbstzweifel echt nachteilig zu werden. Dann gibt es von mir nur einen Rat: entweder aufhören oder weitermachen. Hört sich blöd an, ist aber so. Es gibt kaum echten Trost. Autor sein ist anfangs eine echte harte Nummer, sicher nichts für Feiglinge.

blog-a-holic: Vielen Dank für diese offene Antwort und auch den Ratschlag!
Welcher Charakter hat dich geprägt oder inspiriert?

Wolfgang Wiesmann: Ich bin in Fey Amber verliebt. Sie ist meine Münster Krimi Kommissarin und sieht einfach toll aus, jedenfalls stell ich mir das so vor. Leider hat der Verlag, bei dem die Münster Krimis lagen, Pleite gemacht und so suche ich nun einen neuen Verlag für dieses Krimis. Sie sind also im Moment nicht erhältlich.

blog-a-holic: Ich wünsche dir viel Glück, dass du bald einen Verlag für deine Münster Krimis findest!  Fey Amber macht mich auf jeden Fall neugierig 🙂
Zu guter Letzt: möchtest du deinen Lesern noch eine Botschaft mit auf den Weg geben?

Wolfgang Wiesmann: Was die Liebe betrifft, so ist es oft so, dass man glaubt jemanden nicht mehr zu lieben, aber wenn man genau hinsieht, liebt man ihn doch.

 

blog-a-holic: Ich bedanke mich recht herzlich für deine Zeit und für die Beantwortung der Fragen! Mich hat dein Buch sehr berührt und nach dem Lesen gehe ich immer noch als Liebesforscherin durch die Welt und schaue, wo ich sie überall im Alltag erblicken kann. ♥

 

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