Tomas Bannerhed – Die Raben

Guten Abend ihr lieben Blog-a-holics!

Ich melde mich aus dem wunderschönen Hamburg 🙂 Nach einigen Stunden im Auto, dann in der Hamburger Stadt und eben einem gemütlichen Essen, sitze ich hier im Hotel und schreibe noch die ein oder andere Rezension für euch.

Den Anfang macht heute

Tomas Bannerhed

mit seinem Buch

Die Raben

(Cover und Rezensionsexemplar mit besten Dank an RandomHouse Verlagsgruppe!)

Infos zum Buch:

Taschenbuch: 448 Seiten
Verlag: btb Verlag (12. Dezember 2016)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3442714532
ISBN-13: 978-3442714537
Größe und/oder Gewicht: 11,6 x 3,2 x 18,5 cm
Preis: 10,99 € (TB) /  9,99 € (eBook)

 

Zum Inhalt:

Ist es Irrsinn, die Einsamkeit der Wälder zu suchen?

Småland in den 70er Jahren: Vögel sind Klas‘ Leidenschaft, er ist ein Vogelbeobachter. Ihr Flug ist für ihn wie eine Verheißung von Freiheit, tage- und nächtelang hält er nach ihnen Ausschau, lauscht ihren Rufen. Klas liebt die Vögel, weil er so wenigstens für kurze Zeit der schweren Feldarbeit und seinem schwierigen, zunehmend irrer werdenden Vater entfliehen kann. Klas soll später einmal den Hof übernehmen. Aber seine Träume sehen anders aus. Er sucht die Einsamkeit der Wälder und begeistert sich für die Eleganz von Raben. Spricht das für seinen eigenenen Irrsinn?

 

Über den Autor:

Tomas Bannerhed wuchs in Uråsa, einem Dorf in der Provinz von Småland in Südschweden auf. Heute lebt er in Stockholm. Bannerhed wurde für „Die Raben“ u.a. mit dem Carl-von-Linné-Preis ausgezeichnet sowie mit dem renommierten August-Preis. Das Buch stand monatelang auf der Bestsellerliste.

 

Mein Fazit und meine Rezension:

Von dem Autor Tomas Bannerhed habe ich bislang nichts gelesen. Dies war mein erstes Buch von ihm. Und ich muss sagen, es ist anders als all die Anderen, die ich schon gelesen habe. Der Schreibstil ist flüssig und zieht den Leser direkt mit ins Geschehen. Mit Klas befinde ich mich im Wald, habe Vögel beobachtet, blicke in Nester rein und schaue mir das Verhalten der einzelnen Tiere an … ja, ich bin mit einem Ornithologen unterwegs, dem die Vögel über alles gehen und der sich so seine eigene Welt geschaffen hat. Vom Biologieunterricht kennt man die heimischen Vögel des Waldes, doch die Vögel, die er alle benannt hat, waren mir nicht bekannt! So kann man auch noch beim Lesen des Buches (und natürlich beim Nachschlagen der einzelnen Vogelarten *g*) etwas dazu lernen!

Der Protagonist Klas kommt mir verträumt und doch etwas eigenbrötlerisch daher. Er lebt in seiner eigenen Welt, schottet sich von seiner Familie ab, hat auch nicht wirklich viele Freunde, und fühlt sich nur inmitten der Natur und ihrer Fauna so richtig wohl. Was er überhaupt nicht möchte – aber von seinem Vater hinein gezwungen wird – ist, den Hof weiterzuführen und sich endlich der Landwirtschaft zu widmen. Einzig und allein seine Mutter versucht ihm, in diesem schon so schwierigem Leben etwas Normalität hineinzubringen und ihn tatsächlich wie ein Kind aufwachsen zu lassen. Doch wie soll ein Kind wachsen und gedeihen, wenn es auf der einen Seite Liebe und Normalität erfährt, auf der anderen Seite aber mitbekommt, wie der Vater dem Wahnsinn erliegt und immer mehr in seine tiefen Depressionen abzudriften scheint? 

Klas gibt sich seinen Schuldgefühlen vollends hin. Zum Einen, da er seinen psychisch kranken Vater mit der schweren Feldarbeit alleine lässt und zum Anderen, da er sich einfach nur aus dieser einen Welt fernhalten möchte und keinesfalls den Hof seines Vaters übernehmen oder gar fortführen möchte. Er gerät in einen familiären Zwiespalt. Doch was tun? Für Klas ist es klar, doch wie kann er das nur seiner Familie – allen voran seinem Vater – vermitteln? Und: wird ihm diese Entscheidung eventuell sogar die Familie kosten?

Mit seinen detailgetreuen Beschreibungen der Landschaft von Smaland und ebenfalls der genauen Darstellungen der unterschiedlichen Vogelarten und auch Vogelrufe kommt man sich als Leser manchmal so vor, als ob man mit dem Protagonisten im Wald stehen würde. Mitten im Grün, hinter Dickicht versteckt, beobachtet man die fliegenden Waldbewohner bei ihrem alltäglichen Treiben und lauscht ihren verschiedenartigen Gesängen. Tatsächlich schafft es der Autor dank seiner bildhaften und auch schon fast „tonhaften“, sehr poetischen Sprache, die Waldbewohner so genau darzustellen, als ob man sie tatsächlich sehen und auch hören würde! Da ich die einzelnen Vogelarten noch nicht kannte, bin ich sogar dazu übergegangen, während dem Lesen im Internet zu surfen und mir nicht nur Bilder der Vögel anzusehen, sondern auch die verschiedenen Rufe auf Youtube anzuhören. Das hat die Geschichte noch mehr verstärkt und regelrecht untermalt 🙂

Obwohl das Buch keine leichte Kost ist, was die Geschichte rund um die Familie und ihre Probleme und Zwiespälte anbelangt, und für einige auch allein der detaillierten Beschreibungen der Landschaft und der Vögel oder der Vögelgesänge wegen das Durchhalten bis zum Schluss schwer fallen mag, so kann ich das Buch doch empfehlen. In dem Buch wird beschrieben, wie ein Junge aus einer Welt auszubrechen versucht, in die er von seinen Eltern (hier von seinem Vater) hineingedrängt wird, und wie es ihm schlussendlich gelingt.

Meine Bewertung: 4 von 5 Punkten

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