Hans-Henner Hess – Das Schlossgespinst

Nun wenden wir uns doch einmal der Materie der „Justiz“ zu und lesen mit einem lachenden und einem weinenden Auge das Buch von:

Hans-Henner Hess

mit dem Titel

Das Schlossgespinst

(Cover: mit bestem Dank an Dumont Verlag!)

Infos zum Buch:

Taschenbuch: 366 Seiten
Verlag: DuMont Buchverlag GmbH & Co. KG; Auflage: 1 (14. Januar 2016)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3832163484
ISBN-13: 978-3832163488
Größe und/oder Gewicht: 12,6 x 3 x 19 cm
Preis: 9,99 € (TB) / 7,99 € (eBook)

 

Zum Inhalt:

Sommer in Meiningen. Jahrhunderthoch »Gunther« bringt alles Leben zum Erliegen, nur der Fickel frohlockt. Endlich passt die Welt sich mal seinem Tempo an und er kann sich mit angenehmeren Dingen beschäftigen als mit Mord und Totschlag. Doch die Gespenster der Hochkultur stören ihn in seiner Ruhe. Der berühmte Komponist und ewige Junggeselle Johannes Brahms brach am Hof des Meininger Theaterherzogs einst ein Herz – und anderthalb Jahrhunderte später steht Kriminalrat Recknagel vor einer prominenten Leiche und kämpft gegen seinen Brechreiz. Was hat das eine mit dem anderen zu tun? Ausgerechnet »Terminhure« Fickel soll sich jetzt mit den Folgen eines historischen Techtelmechtels herumschlagen. Und das nur, weil die Oberstaatsanwältin Gundelwein gerade viel zu sehr mit ihrer eigenen Karriere beschäftigt ist, als sich um einen schnöden Mord zu kümmern. Immerhin macht der Fickel bei seinen Ermittlungen die eine oder andere bittersüße Bekanntschaft, nicht nur mit dem Bratwurstschnaps. Alle Spuren führen zum Historischen Verein und ins Schloss Elisabethenburg, in dem merkwürdige Dinge vor sich gehen …

 

Über den Autor:

Hans-Henner Hess wurde 1973 in Berlin-Mitte geboren und ließ sich ebendort wegen einer verlorenen Wette zum Volljuristen ausbilden. Da der Rechtsstaat auf seine weitere Mitwirkung dankend verzichtete, schlug er sich als Autor und Dramaturg bei diversen Fernsehformaten durch. Nebenher verfasste er Lang- und Kurzgeschichten, schrieb Theaterstücke und Songtexte. Bei DuMont erschienen seine Romane ›Herrentag‹ (2013) und ›Der Bobmörder‹ (2014).

 

Mein Fazit und meine Rezension:

Herr Fickel ist kein „gewöhnlicher“ Mensch – okay, aus seiner Sicht vielleicht schon – er ist verschroben, exzentrisch, geschieden, kinderlos und ohne Haustier, ist kein Klassikliebhaber und – was hinzu kommt – durch und durch ein Jurist.

Leider bleibt Fickel in der Hitze des Meininger Sommers nicht viel erspart: in der Zeit, in der viele seiner Kollegen Urlaub machen (wahrscheinlich in der Nähe eines Badesees oder eine Klimaanlage), sitzt er in seinem Büro im Amtsgericht und „harrt der Dinge, die da kommen mögen“. Und die kommen so ziemlich schnell in Form eines neuen Auftrags um die Ecke. Ausgestattet mit Flipflops und Hawaiihemd, um dem Wetter und dem Richter Leonhard zu trotzen, tritt er als Anwalt der Elfriede Langguth – genannt die „Rote Elfriede“ auf – Vollblut Kommunistin und ehemalige Bürgermeisterin von Meiningen, die ein stattliches Alter von 97 Jahren vorweisen kann und die gerade den Historischen Verein e.V. auf Herausgabe einer Notenpartitur verklagt, welcher dieser sich „illegal unter den Nagel gerissen“ haben soll. Hier zeigt sich nicht nur das Mühlrad der Justiz, sondern auch der alltägliche Wahnsinn, der bei Gericht abgeht. Und so verwundert es auch nicht, dass Frau Langguth, natürlich auch mit Hilfe und der Kompetenz des Herrn Fickel, das Recht zugesprochen kommt. Da der Verein die Partitur jedoch nicht herausrücken möchte, schickt Fickel „den Mann mit dem Kuckuck“ ins Rennen, welcher die Partitur prompt bei einer öffentlichen Uraufführung pfändet und die Aufführung untersagt … was turbulent beginnt, geht ebenso turbulent weiter. Denn wenige Zeit später schon, tritt die Partitur in den Hintergrund, als bekannt gemacht wird, dass sich „die Rote Elfriede erdreistet, den schönen Abend zu stören und es dann auch noch wagt zu sterben“. Zu guter Letzt kommt auch heraus, dass ihr Tod kein natürlicher war …

Dies sind nur einige wenige Brocken, die ich vom Buch, den wunderbaren Umschreibungen und Beschreibungen und der Geschichte wiedergeben möchte. Letzten Endes geht es darum: wer hat Elfriede Langguth getötet? Was war der Beweggrund? Wo ist die Partitur, die Brahms komponiert haben soll? Und wie zum Teufel kann es dazu kommen, dass ein Hund ein Vermögen erbt?
Wer schon immer mal einen kleinen Einblick in die Justiz erhalten wollte und auch einen kleinen Rundgang durchs BGB (Sachenrecht und Erbrecht) sowie durchs StGB erhalten wollte, der ist hier genau richtig! Herr Fickel ist ein wunderbarer Rechtsführer und weist den Leser so manch interessanten Weg.

Ich habe Herrn Fickel (der wohl keinen Vornamen trägt) erst mit diesem Buch kennen lernen dürfen und ich war von Anfang an begeistert! Der Schreibstil und vor allen Dingen die Ausdrucksweise von Hans-Henner Hess lassen erkennen, dass er tatsächlich selbst einmal im Mühlrad der Justiz gearbeitet hat und mehr als einmal einen Blick hinter die Kulissen dort werfen durfte. Die Charaktere sind allesamt plastisch und vor allen Dingen Herr Fickel besticht durch seine Art und Weise und kann – trotz des mitunter schroffen Auftretens – doch tatsächlich das Herz des Lesers im Sturm erobern. Meins hat er zumindest erobert und ich würde mich freuen, noch ein weiteres Mal auf diesen Mann stoßen zu dürfen!

Meine Bewertung: 5 von 5 Punkten

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